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27.12.2009, 19:35

Ein Kampf um Midor ... 1. Staffel

Irgendwo in der Nähe von Außenposten Bravo
„Hinter dir!“
Ich wirbelte herum und zog den Abzug durch. Meine Gamma24 jagte heulend eine Ionenladung auf die Blechbüchse, die plötzlich zwischen den Felsen aufgetaucht war. Zwei weitere Waffen spuckten ihre todbringenden Ladungen auf den Zyklotron, bis sein Leitwerk mit einer grellen Stichflamme explodierte.
„Los, weiter.“
Wir hetzten den Hang des Hügels hinauf. Von dort oben sollte unser Team abgeholt werden - vorausgesetzt natürlich, dass unsere Funknachricht auch angekommen war. Andernfalls … nicht drüber nachdenken.

„Stellung gesichert.“ tönte es aus meinem Funkempfänger.
Die Hügelkuppe lag vor mir; übersät mit einem wahren Labyrinth aus kleinen und großen Felsen, gab sie eine hervorragende Verteidigungsposition ab. Ich zwängte mich durch einen Spalt hindurch und lehnte mich schwer atmend in eine Nische. Mein Puls hämmerte hinter der Stirn, und einen Moment drehte sich alles um mich. Eine Gestalt, wie ich im schweren Kampfanzug, beugte sich zu mir.

„Dein Arm blutet wieder.“
„Ich hab keine Zeit zum Bluten.“ knurrte ich ein uraltes Soldatenzitat zurück.
„Achtung, Oxies auf 250 Grad. Distanz 400, schnell fallend.“ kam es über Funk.

Ich lehnte mich kurz aus der Deckung. „Bestätige … fünf, nein, sechs Oxies … sind …“
Chiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeeaaaaaaa…
„RUNTER!“
…aaaaaaooooouuuuuu BLAM
Die Mörsergranate explodierte keine 20 Meter neben unserer Stellung. Steinsplitter prasselten auf meinen Helm, meine Ohren klingelten.
„Ah… mich hat’s erwischt … meine Augen … seh’ nix mehr…“ krächzte es aus dem Funk.

„Wo bleibt das Evakuierungsteam, verdammt?“ brüllte ich, drehte mich wieder aus der Deckung und gab mehrere Feuerstöße auf die gnadenlos vorrückenden Maschinen ab. Nur noch 100 Meter.


Während ich mein vorletztes E-Magazin in die Gamma schob, fragte ich mich, welche meiner Entscheidungen in den letzten drei Tagen mich in diese beschissene Situation gebracht hatten …



Zentralbunker von Midor, Casino --- 72 Stunden zuvor

In ohrenbetäubender Stärke dröhnte die Musik aus den Lautsprechern.
„A.I., wir schicken dich in die Hölle … HÖLLE HÖLLE HÖLLE HÖLLE.“
Ich wandte meinen Blick von Wolverine ab, der den Text von der Karaoke-Bühne in das Mikrofon brüllte, und versank in den tiefbraunen Augen von Commander Rufina, die mir gegenüber an dem winzigen Tischchen saß.
„Entschuldige, was hast du gesagt? Ziemlich laut hier.“
Ihr Lächeln ließ Schmetterlinge in meinem Bauch flattern.

„Genau … ich fragte, ob wir uns nicht ein ruhigeres … intimeres … Eckchen suchen wollen?“ Sie legte ihre zarten Finger auf meine Hand.

„Äh, ja … die Sporthalle ist zu dieser Zeit ziemlich leer, glaube ich …“
„Oh – gemeinsame … Leibesübungen?“
Streichelnd fuhr ihre Hand langsam meinen Arm hinauf. Sie lehnte sich vor. Der Duft ihres Parfüms drang in meine Nase. Warum war mir plötzlich so heiß?

„Eh, ich könnte etwas Nahkampftraining brauchen …“

„Vollkontakt.“ hauchte sie und biss sich auf ihre volle, rote Unterlippe … ich neigte ihr meinen Kopf zu … nur noch Zentimeter trennten unsere Lippen …

Ein dunkler Schatten fiel über uns.
„OleDirtyBastard?“ dröhnte eine tiefe Stimme.
Verärgert drehte ich mich um und öffnete den Mund, um eine geharnischte Antwort zu geben … und schloss verdutzt wieder meine Schnute.
Zwei Schränke von Kerlen standen neben mir, in schwarze Mäntel gehüllt. Die Ausbeulungen unter ihren Achseln sahen ganz nach
Wummen aus … großen Wummen – und dabei durfte doch niemand im Casino Waffen tragen?!

„Wer will das wissen?“ brummte ich misstrauisch.
Einer der Kerle zog eine Brieftasche hervor, klappte sie ungefähr eine Viertelsekunde auf und antwortete:
„Interne Sicherheit. Kommen Sie bitte mit. Ohne Aufsehen.“ Sein Kollege schob eine Hand unter den Mantel.

„Moment mal!“ brauste Rufina auf. „Ich bin Commander! Wir sind gerade in einem wichtigen Briefing, und …“

„Direkter Befehl von Nummer 1. Falls Sie Einwände haben, Commander, soll ich Ihnen sagen …“
Er beugte sich zu Rufina und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Ich spitzte die Ohren, aber trotz meiner Geräuschverstärker-Implantate bekam ich nur ein paar Worte mit „Fotos … Veröffentlichung … Karriere …“

Rufinas entzückende Lippen formten ein O. „Nun, wenn das so ist.“ Sie lächelte mich an. „Es wird sich bestimmt alles aufklären, mein Held. Aber ich glaube ich muss nun los.“ Sie stand auf und schlenderte zum Street Samurai hinüber, der ein paar Übungen mit seinen Schwertern vorführte.

Schrank 2 machte eine knappe Handbewegung. Ich ergab mich in mein Schicksal und folgte Schrank 1, der mich aus dem Casino führte.


--- Fortsetzung folgt ---
W1 - OleDirtyBastard
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »OleDirtyBastard« (27.12.2009, 20:44)


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31.12.2009, 19:25

Die beiden schweigsamen Typen führten mich durch eine Vielzahl mir unbekannter Korridore zu einer unauffälligen Tür und bedeuteten mir hineinzugehen. Ich fand mich in einem kleinen Konferenzzimmer wieder; der fensterlose, klimatisierte Raum war kühl, frostig geradezu. Um einen halbkreisförmigen Tisch herum saßen zwei Frauen und zwei Männer; zwei weitere Stühle waren leer.

Eine der beiden Frauen, eine schlanke Brünette mit den Rangabzeichen eines Commanders und goldener Generalstabskordel an der schwarzen Uniform, blickte kurz von ihrem Notepad auf und wandte sich an mich: „Setzen Sie sich bitte, Lieutenant.“
Anschließend berührte sie eine Taste ihres Armbandkommunikators. „Wo bleibt Fheare?“
„Wir sind gleich da, Ma’am.“ rauschte die Antwort aus dem Gerät.

Neben der Offizierin saß die zweite Frau, anscheinend eine Zivilistin, mit langen schwarzen Haaren und eisgrauen Augen. Ihre mit silbernen Ringen bestückten Finger trommelten ungeduldig auf der Tischplatte.
Neben ihr ein junger Mann in weißem Kittel, mit langen Haaren und einem Baseballcap, der gerade eine rosafarbene Pille in den Mund steckte und mit dem Oberkörper im Takt einer Musik wippte, die offenbar nur er hören konnte.
Ich setzte mich auf den freien Platz neben dem anderen Mann, einem blonden Hünen mit Schlangenlederweste; auf dem Kopf trug er eine Art Cowboyhut, dessen Krempe mit Dutzenden kleiner Zahnräder besetzt war.
„Nette Kopfbedeckung.“ murmelte ich.
Er grinste. „Eins für jeden Torvitator.“
Die Offizierin warf uns einen missbilligenden Blick zu.

Dann öffnete sich die Tür erneut, und zwei andere schwarzgekleidete Schränke zogen einen Mann mit fleckiger Uniform herein, der etwas Unverständliches lallte, und platzierten ihn auf dem letzten freien Stuhl zwischen mir und Langhaar. Eine Alkoholfahne umhüllte mich; der Kerl kippte langsam zur Seite und stieß mit der Schulter gegen mich. Als ich ihn vorsichtig wieder in die Senkrechte schob, brummelte er „Finger wech noob, isch kann ´leine sitschen.“

Die schwarzuniformierte Frau stand von ihrem Stuhl auf. „Für diejenigen die mich nicht kennen: Ich bin Supreme Commander Honey, die Leiterin der Abteilung Interne Sicherheit, Military Offences Department – kurz M.O.D. Keine Sprüche über meinen Namen, bitte – ich
kenne sie alle. Zur Sache. Wir verfügen über Informationen, dass A.I. uns in 72 Stunden bei Außenposten Bravo angreifen wird – und zwar mit über 3000 Maschinen.“

Ich schreckte hoch – das waren verdammt viele!
„Das Heerlager zur Verteidigung wird in wenigen Stunden organisiert; Sie allerdings meine Herren, Sie werden nicht dabei sein. Für Sie haben wir einen Spezialauftrag. Die Interne Sicherheit arbeitet in dieser Sache eng mit der AIIA zusammen – der Artificial Intelligence Intelligence Agency. Doktor Blackwife hier,“ sie nickte der anderen Frau im Raum zu, „ist eine der führenden Expertinnen auf dem Gebiet der A.I.-Psychologie. Doktor?“

Die Angesprochene stand auf.
„Danke, Commander. Wir haben gestern durch einen glücklichen Zufall ein Richtfunksignal an A.I. auffangen können. Wir konnten noch nicht alles dekodieren, aber die Hinweise auf einen massiven Großangriff waren deutlich. Noch brisanter allerdings ist die Herkunft des Signals.“

Sie drückte auf eine Taste im Tisch, und ein Hologramm der Oberfläche Midors erschien im Raum. Ein weiterer Tastendruck, und eine bestimmte Stelle leuchtete auf.
Der Mann mit dem Cowboyhut setzte sich plötzlich kerzengerade auf und holte laut hörbar Luft.
Doktor Blackwife fuhr fort: „Der Ursprung des Signals kam direkt aus der Mine Bravo-2. Nicht aus der Nähe – aus dem Inneren der Mine. Wir gehen davon aus, dass es A.I. irgendwie gelungen ist, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen, eine oder mehrere Maschinen dort hinein zu schmuggeln. Wenn von dort aus detaillierte Informationen über unsere Verteidigungsmaßnahmen an A.I. gehen, dann …“ Sie zuckte mit den Achseln.

„Danke, Doktor.“ Commander Honey übernahm wieder das Wort. „Und hier kommt die Interne Sicherheit ins Spiel. Wie Sie wissen, befindet sich Bravo-2 im Besitz der Mobile Infantry – der einflussreichsten Allianz Midors. Eine offizielle Untersuchung durch die
Zentralregierung wäre politisch nicht opportun … damit würden wir andeuten, dass die MI nicht in der Lage ist die Sicherheit zu bewahren. Darum haben wir uns für eine verdeckte Operation entschlossen, um diese Maschinen rechtzeitig zu finden und zu eliminieren. Die Mobile Infantry ist über diese Operation nicht informiert – und man wäre dort … wenig erfreut, Sie zu sehen. Also.“


Sie blickte zu dem Betrunkenen hinüber. „Captain W.O. Fheare – Kampfname Keine Angst – hat die taktische Leitung der Operation. Ich sag’ das nicht gern, aber von allen sofort verfügbaren Leuten hat er die meiste Erfahrung mit Himmelfahrtskommandos dieser Art.“ Das Lächeln des Commanders war unheilvoll. „Wir werden dafür sorgen dass er rechtzeitig ausnüchtert.“
Sie wandte sich an den Cowboyhutträger. „Private Bogumil B. Brother; sie sind nicht nur Nahkampfspezialist und Gewinner der diesjährigen Quintiade, Sie haben vor allem drei Jahre lang in Bravo-2 gearbeitet. Sie kennen das Gelände.“
„Bogumil?“ entfuhr es dem Langhaarigen, der bisher geschwiegen hatte. „Ehrlich? Wofür steht dann erst das zweite B?“
Brother winkte ab. „Nennt mich einfach nur BB, okay?“
Commander Honey blickte in meine Richtung. „Lieutenant, Sie gehören zu den wenigen Midorianern mit umfangreicher Flugerfahrung. Sie werden das Team mit einem Stealth Glider nach Bravo-2 bringen. Sie landen unbemerkt, dringen unbemerkt in die Mine ein, beseitigen unbemerkt die Maschinen und verschwinden unbemerkt wieder. Soweit alles klar?“
Brother hob die Hand. „Commander, haben Sie eine Ahnung wie groß diese Minen sind? Eine ganze Kompanie würde eine Woche brauchen, um die zu durchkämmen!“
„Dafür gibt es eine Lösung.“ antwortete Doktor Blackwife. „Mein Assistent Mr. Larusco hier und ich haben ein neues Ortungsgerät entwickelt … damit müssten wir die energetischen Signaturen der Maschinen im Umkreis von rund 500 Metern exakt aufspüren können.“
Langhaar – Mr. Larusco – nickte eifrig. „Mit einer Genauigkeit von plusminus zwei Metern!“ strahlte er. „Es ist genial - mit Hilfe der Oberschwingungen bei fallenden Sinus-Amplituden …“
„Wass heischt das ‚müschten’“ nuschelte Captain Fheare plötzlich dazwischen. „Könnsese aufschpürn oder nisch?“
Doktor Blackwife räusperte sich. „Nun, ich gebe zu, das Gerät ist ein Prototyp … noch im experimentellen Stadium … darum werden Mr. Larusco und ich auch mitkommen, um den Orter zu bedienen.“
Larusco nickte eifrig. „Genau, denn die … äh, was? Mitkommen? Oh.“ Er griff in eine Tasche seines Arbeitskittels, zog ein Döschen hervor, und steckte zwei grüne Pillen in den Mund. „Oh.“

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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »OleDirtyBastard« (31.12.2009, 19:41)


3

20.04.2010, 00:22

Nahe der Mine Bravo-2 – T minus 64 h

Die Landedüsen verstummten mit einem flüsternden Fauchen, als ich den Gleiter auf einer kleinen Lichtung absetzte.
„Na gut … Abmarsch.“ flüsterte Keine Angst mit rauer Stimme. Die Ringe unter den Augen des Captains waren dunkler als der nächtliche Himmel – ich fragte mich, was für Pillen die MOD ihm wohl verpasst hatten.
„Übrigens … ich lege nicht viel Wert auf Förmlichkeiten. Ihr könnt mich Cap nennen, oder Keine Angst, oder KA falls euch das zu lang ist.“
„Ich bin Ole.“ antwortete ich knapp, während ich die Systeme des Fluggeräts herunterfuhr.
„Einfach nur BB.“ meinte Private Brother, und blickte auffordernd zu Mr. Larusco.
„Oh, also …“ Larusco schien sich in seinem Kampfanzug nicht besonders wohl zu fühlen, und schluckte eine rosafarbene Pille herunter. „Ihr könnt mich ruhig Larusco rufen … machen alle … aber ich habe natürlich auch einen richtigen Vornamen – Jekyll. Jekyll Larusco.“
„Jekyll Larusco – klingt doch gut.“ Ich schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter und sah zu Dr. Blackwife hinüber. „Und …?“
Sie lächelte mich zuckersüß an. „Doktor, Lieutenant. Für Sie bin ich Doktor Blackwife.“
„Ups. Abfuhr.“ murmelte ich. Das breite Grinsen von BB ignorierend, blickte ich unauffällig zur Doktorin hinüber. Sie sah atemberaubend aus. Ihr enganliegender schwarzer Kampfanzug aus Lederimitat - offensichtlich eine Spezialanfertigung – wurde von hochhackigen Lederstiefeln ergänzt. Warum die Anzugsdesigner sich für ein aufreizendes Dekolleté entschieden hatten, entzog sich meinem militärischen Verstand, aber ich beschloss, eine entsprechende Eingabe an das Beschaffungsamt auf unbestimmt Zeit zu verschieben.

Wir verließen den Gleiter und legten ein Tarnnetz darüber, dann marschierte unser Trupp etwa zwei Kilometer weit in die Richtung des Notschachts, den BB während des Fluges als bestes Einstiegsziel in die Mine angegeben hatte.
„Die Hauptgänge können wir natürlich nicht nehmen, wenn wir unbemerkt bleiben wollen.“ erläuterte der breitschultrige Private. „Es gibt zum Glück jede Menge verlassene Nebengänge und Notschächte … nur rund ein Drittel der Mine wird tatsächlich genutzt. Wir werden aber einige Umwege machen müssen, um bestimmte Knotenpunkte zu umgehen. Und die Notschächte haben natürlich auch keine Aufzüge, wird also eine ziemliche Kletterei. Immerhin erstreckt sich die Mine in bis zu über zweitausend Meter Tiefe.“
Wir hatten natürlich eine digitale 3D-Karte der Minen; aber BB hatte nur den Kopf geschüttelt und angemerkt, dass mindestens ein Viertel der Anlage darauf fehlen würde … eben genau die uralten, verlassenen Stollen, die wir benutzen würden. Endlich erreichten wir eine hinter Buschwerk verborgene, halb eingerostete Luke. Blackwife richtete einen Scanner darauf. „Rein mechanisch … keine elektronischen Elemente … Gott, wie alt ist das Ding?“
„Etwa 250 Jahre, schätze ich.“ antwortete BB, während er die Luke aufstemmte. „Stammt noch aus der Frühzeit der Besiedlung … das hier war eine der ersten Theramid-Minen auf Midor. Sie wurde damals großteils mit billiger, rein mechanischer Ausstattung aufgebaut. So, das hätten wir.“ Die Luke öffnete sich quietschend und enthüllte den Blick auf einen finsteren, engen Schacht, in dem metallene Sprossen eingelassen waren.
Einer nach dem anderen kletterten wir hinab. Sprosse nach Sprosse nach Sprosse, hinab in die Finsternis. Das Metall unter meinen Händen war kalt und voll rostigem Schorf; ein eisiger Luftzug von oben strich über mein Gesicht. Endlich, nach rund einhundert Metern, endete der Schacht. Ich reckte mich und rieb die schmerzenden Schultern. Links und rechts erstreckten sich die unbeleuchteten alten Stollen, gerade hoch genug dass ich aufrecht stehen konnte. Unsere Helmlampen enthüllten Pfeiler aus bröckelndem Beton, die etwa alle 10 Meter den Gang abstützten.
Dr. Blackwife und Larusco hantierten an ihrem Gerät und warfen sich kryptische Fachbegriffe an den Kopf.
„Keine Ortung.“ sagte Blackwife schließlich. „Wir müssen tiefer hinein.“
„Links geht es zu den Hauptgängen; wir nehmen den Umweg rechts entlang.“ erläuterte Brother kurz.

Captain Fheare grunzte zustimmend und bedeutete Brother und mir, voraus zu gehen. Schweigend folgten wir dem Stollen, passierten einige Kreuzungen. Ich fingerte nervös an meiner Gamma herum. Die Dunkelheit, die Enge der Stollen ... ich meinte, die uralten Pfeiler unter dem Gewicht tausender Tonnen Erdreich über uns knirschen und ächzen zu hören. Unauffällig blickte ich mich zu Dr. Blackwife um, die direkt hinter mir ging. War das ihr MonChanel No. 7, dessen Dufthauch ich roch?
Mein Fuß stieß auf etwas Metallisches, und ich konnte gerade noch ein Stolpern vermeiden. „Was zum Teufel …“ ich richtete meine Lampe nach unten, und erblickte zwei parallel verlaufende metallene Stränge.
„Schienen?“ frage ich entgeistert. „Sind das etwa Schienen?“
BB grinste breit. „Hab doch gesagt, einige der Stollen sind richtig alt.“

Wir folgten den rostigen Gleisen, fanden nach einiger Zeit zwei alte Loren mit primitiven Elektromotoren. Schließlich endete der Stollen – ein Lattenkreuz aus verrottendem Holz sperrte den Durchgang, und dahinter befand sich ein Abgrund – offenbar eine natürliche Erdspalte, die weiter in die Tiefe reichte als unsere Lampen.
Ich schüttelte den Kopf. „Schienen … Loren … unterirdische Abgründe … kommt mir vor wie aus einem billigen alten Abenteuerfilm.“
Wir gingen ein Stück zurück und folgten dem nächsten Nebenstollen.

*****

Die kommenden Stunden waren erschöpfend. Wir folgten Stollen um Stollen, kletterten durch Notschächte auf- und wieder abwärts. In regelmäßigen Abständen nahmen die Wissenschaftler mit ihrem Wunderding Messungen vor – ohne Ergebnis. Viermal machten wir Halt, ruhten uns aus, nahmen ein paar Schluck aus den Wasserflaschen und kauten an unseren Nahrungskonzentratriegeln herum. Wir wurden zunehmend gereizter – Larusco schluckte seine Pillen, Dr. Blackwife giftete Larusco an, Keine Angst nahm immer öfter einen Schluck aus seinem Flachmann … nur B. Brother schien unbeeindruckt.

„Da!“ rief Larusco plötzlich aus. „Doktor, schauen Sie … dieser Ausschlag! Wir haben einen!“
Ich beugte mich interessiert zu den beiden, warf einen kurzen Blick in den Ausschnitt von Dr. Blackwife, und sah mir die Skalen und Anzeigen des Wundergeräts an. Doch außer einigen bunten, sich hin- und herschlängelnden Linien sowie wüsten Zahlen-Buchstaben-Kombinationen war nichts zu erkennen.
„Tatsächlich!“ Blackwife runzelte die Stirn und zeigte auf eine lilafarbene Kurve. „Aber solche Werte habe ich noch nie gesehen. Hmmm … eindeutig A.I.-Technologie … aber die Signatur gehört zu keinem von uns erforschten Typus.“ Sie hob den Arm und kratzte sich am Ohr, was ihr Dekolleté auf’s Entzückendste in Bewegung brachte … *ditsch*
Zwei eisgraue Augen tauchten direkt vor meinen auf, wütend funkelnd. „Haben Sie nichts zu tun, Lieutenant?“

Ich zog mich diskret etwas zurück und stellte mich neben Brother, der mich breit angrinste.
„Hat’n netten Schwinger, unser Doc, was? Wusstest du, dass sie Captain der Reserve ist? B-4 Scharfschützenausbildung. Ein Kumpel von mir war auf der Hochzeit, als sie neulich Major Steiner geheiratet hat.“
„Geheiratet? Die?“ ich starrte BB verblüfft an.
„Genau … und zwar DEN Major Steiner – den vom SEK.“
Captain Fheare besprach sich kurz mit Blackwife und Larusco, nahm einen Schluck aus seinem Flachmann und winkte uns dann heran. „Abmarsch! BB – wie kommen wir nach Sektion III-1-Alpha?“
„Zu Fuß, Cap.“ antwortete der Private trocken. „Folgt mir, wir müssen dort nach links und dann wieder durch die Notschächte nach unten …“

Durch abgelegene Nebenkorridore und das chaotische Notschachtsystem näherten wir uns langsam dem Zielgebiet. Die direkte Entfernung waren zwar nur 450 Meter, aber auf unseren Schleichwegen brauchten wir trotzdem über zwei Stunden. Blackwife war besorgt, aber wie es aussah bewegte sich dieser A.I.-Roboter nicht von der Stelle.
BB brachte uns mit einem Handzeichen zum Stehen.
„Okay, diese Sektion wurde vor 10 Jahren aufgegeben. Nicht mehr profitabel.“ flüsterte er.
Fheare grunzte. „Ideales Versteck für die Blecheimer, also. Doc?“
Blackwife drehte an ein paar Knöpfen. „Es hat seine Position weiter gehalten. 50 Meter, Höhe stimmt, auf 270 Grad.“
Brother nickte. „Ja, das passt. Dort runter macht der Gang einen Knick – unmittelbar hinter Biegung muss es sein.“
„Dann los.“

Vorsichtig schlichen wir den nur von spärlichen Notleuchten halb erhellten Korridor entlang; Captain Fheare und ich voran, kurz dahinter BB, und mit etwas Abstand die beiden Wissenschaftler. Die Biegung – aus unerfindlichem Grund machte der Stollen tatsächlich einen Knick von 90 Grad – kam näher.
Der Captain gab mir Handzeichen. Laut dem Ortergerät musste der Roboter kaum drei Meter hinter dem Knick stehen. Ich atmete tief durch; das vertraute Flattern im Bauch stellte sich wieder ein. Fheare hob drei Finger, zwei, einen … dann wirbelte ich, die Gamma im Anschlag, um die Biegung herum und sah vor mir …

Nichts. Einen leeren, notdürftig erleuchteten Stollen, der sich mindestens 30 Meter schnurgerade vorwärts erstreckte.

Frustriert schob ich das Helmvisier hoch. „Doc, Ihr Orter ist für’n Arsch. Hier ist absolut gar …“
Ein silbernes Flirren. Etwas prallte heftig gegen meine Schulter, ließ mich taumeln. Instinktiv griff ich mit der rechten Hand zu, bekam etwas zu fassen … kalte, metallische Dornen bohrten sich in den Stoff meiner Handschuhe; es ruckte, riss meine Hand mit sich vor, zurück. Ich hielt eisern fest. Dann tauchte direkt vor meinem Gesicht eine daumennagelgroße Schneide auf, die tausendfach rotierend auf mein linkes Auge zusirrte …

--- FORTSETZUNG FOLGT ---
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10.07.2011, 15:13

:huh: Wartet auf Teil zwei :!:
Erfahrungen sammelt man wie Pilze... einzeln und mit dem Gefühl, dass die Sache nicht ganz geheuer ist... :evil:

klonter77

Fortgeschrittener

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Beruf: Späher

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6

06.10.2011, 17:44

sehr interessant.

warte auf staffel 2. :thumbsup:
Welt 3 = lvl 19

falls ihr mich kennt oder kennen lernen wollt dann schreibt mich hier oder in WELT 3 an.

würde mich richtig freuen wenn du eine mail hier im forum oder auf WELT 3 schicken würdest. :D

mit freundlichen grüßen von klonter77

7

12.10.2011, 15:34

:thumbup: hast nen super schreibstil major, da bekomm ick glatt lust, mal selbst wieder was zu kritzeln ;)
hoffe es geht noch weiter mit der story :?: :!: :)

lg Eo
Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit. Sie begründet die Vielherrschaft der Dummen!!!

8o :whistling:

Held kann man sein, auch ohne die Erde zu verwüsten.
N. Boileau-Despreaux